Unsere Weihnachtsaktionen 2009/2010


Reutlinger General-Anzeiger vom 24.11.2010

Wenn das Christkind Hilfe braucht

Von Alexander Rabe

REUTLINGEN (GEA). Exakt in einem Monat ist Heiligabend. Für viele Familien ist dieser Tag ein besonderes Fest. Gemeinsam essen, unterm Weihnachtsbaum sitzen, singen und schließlich die Kinder dabei beobachten, wie sie gespannt und voller Vorfreude die Geschenke auspacken, die das Christkind gebracht hat. Für viele Familien ist der Ausblick auf den 24. Dezember allerdings sehr bedrückend: Das Einkommen für Weihnachtsgeschenke ist einfach zu gering.

Hinter der Aktion und vor dem Sternen behangenen Wunschbaum stehen viele ehrenamtliche Helfer, die bedürftigen Kindern ein frohes Weihnachtsfest bescheren wollen. FOTO: Alexander Rabe

Um diesen Familien das Weihnachtsfest zu verschönern, um den bedürftigen Kindern ihre Wünsche zu erfüllen, gibt es auch in diesem Jahr wieder die von Citykirche, Caritasverband und Diakonieverband Reutlingen organisierte Aktion »Sternefunkeln in Kinderaugen«.

Bereits seit Ende Oktober wurden die Wünsche bei Diakonie- und Caritasverband Reutlingen, in sämt-lichen anderen sozialen Einrichtungen Reutlingens und der Umgebung sowie bei der Stadtverwaltung und beim Landratsamt gesammelt. Da die seit drei Jahren bestehende Aktion in der Vergangenheit auf viel Resonanz stieß, wurde der Kreis der Annahmestellen bereits im Vorjahr stark erweitert. Die sozialen Einrichtungen sind es auch, die bewerten, ob die Wunsch-Abgebenden tatsächlich bedürftig sind.

260 Wünsche sind bislang eingegangen. Bis Anfang Dezember kann noch abgegeben werden. Ab heute und bis 15. Dezember hängen nun die gesammelten Wünsche der Kleinen in der Citykirche in Form von anonymisierten, gelben Sternen an einem Wunschbaum.

Auf den Sternen steht jeweils eine bestimmte Nummer sowie Alter und Geschlecht des jeweiligen Kindes - und vor allem dessen Wunsch, der einen Wert von 25 Euro nicht übersteigen darf. Eine warme Leggins, eine Sporttasche, ein großes Stofftier zum Kuscheln: Die Wünsche der Kinder sind vielfältig und zeigen, dass der Bedarf und die Not einiger Mitmenschen vor der eigenen Haustür groß ist.

Damit die Wünsche möglichst alle erfüllt werden, ist die Bevölkerung gefragt. Und so funktioniert's: Wer die Aktion unterstützen möchte, sucht sich in der Citykirche den passenden Wunsch aus und wird Pate. Das bedeutet: Der Pate kauft das Geschenk, verpackt es, klebt den ausgewählten Wunsch-Stern drauf und bringt es bis zum 15. Dezember - Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 9.30 bis 18 Uhr - zurück in die Kirche am Nikolaiplatz. Die Geschenke werden dann in verschiedenen Zwischenlagern deponiert und drei Tage vor Heiligabend an die Familien ausgegeben.

Wem das Besorgen und Verpacken zuviel Aufwand ist, kann auch das Geld für eines oder mehrere Geschenke abgeben und den Einkauf den Mitarbeitern der Citykirche überlassen. Wer sich für Variante drei entscheidet, unterstützt das »Sternefunkeln« mit einer Spende (siehe Infokasten unten rechts).

2009 konnten stolze 888 Kinderwünsche erfüllt werden. Und die große Gruppe ehrenamtlicher Helfer um die für die Gesamtorganisation verantwortliche Citykirchen-Pfarrerin Sabine Drecoll und Pastoral-referentin Ulrike Neher-Dietz hofft auch in diesem Jahr auf eine möglichst hohe Zahl funkelnder Kinderaugen zum Weihnachtsfest. Dafür setzen sich die Beteiligten mit viel Herzblut und einer großen Portion Menschlichkeit ein.

Ursula und Günther Bolz - ehrenamtliche Mitarbeiter der Citykirche - kümmern sich beispielsweise um die Datenpflege und sorgen dafür, dass bei den Wunscheinreichungen kein Missbrauch - etwa durch Mehrfach-Abgaben - betrieben wird.

Bernd Niedermayer und Walter Alle als Repräsentanten der »Loge Achalm« werden bei Geschenkaus-gabe und Transport der Päckchen schwer eingespannt sein.

 Grafiker Hansjörg Brucklacher sorgte mit der Gestaltung der Handzettel und Plakate dafür, dass viele Menschen von der Aktion Kenntnis nehmen.

»Einige Eltern haben gesagt, dass ihnen die Aktion schon im Vorjahr sehr geholfen hat, weil so wenigstens ein schönes Geschenk da war. Da friert es einen, wenn man so etwas hört«, berichtet Rose Biedermann vom Tafelladen des Diakonieverbandes beim Pressegespräch von ihren Erlebnissen bei der Annahme der Wünsche.

Und Bernd Niedermayer von der »Loge Achalm« sagt mit nachdenklichem Blick auf den Wunsch-baum am Altar: »Da wünscht sich eine 16-Jährige ein Kuscheltier. Das ist kein typischer Wunsch einer 16-Jährigen. Da geht es schon ans menschliche Mark. Wir haben das Gefühl, mit dieser Aktion etwas sehr Sinnvolles zu machen.«

Doch nicht nur auf die eifrigen Organisatoren und eine ganze Reihe finanziell unterstützender Unter-nehmen kommt es an, sondern vor allem auch auf die Paten: Die Gruppe der Schenker war im Vorjahr vom Kind bis zum Senior sehr heterogen. Eltern zeigten ihrem Nachwuchs, dass Weihnachtsgeschenke für andere Kinder in nächster Nähe nicht selbstverständlich sind.

Ein Jahr später hat sich an diesem Umstand nichts geändert und Citykirchen-Pfarrerin Sabine Drecoll stellt klar und ermutigt zugleich, wenn sie sagt: »Das Wichtigste ist, dass die Paten merken, dass ihr Geld direkt beim Mitmenschen ankommt.« (GEA)

„Sternenfunkeln in Kinderaugen“ – Loge Achalm Reutlingen unterstützt Weihnachtsaktion

Die Loge Achalm Reutlingen konnte Weihnachten 2009 im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit der Citykirche nahezu 900 Kindern eine große Freude bereiten.

Die „Citykirche“ plante eine Geschenkaktion in der Vorweihnachtszeit für Kinder aus bedürftigen Familien: In der Kirche dürfen die Kinder kleine Papiersterne, auf denen sie ihre Wünsche notieren an einem großen Weihnachtsbaum aufhängen. Spendenwillige Bürger können dann einen oder mehrere Sterne abnehmen und die Wünsche erfüllen, indem sie das Geschenk in der Kirche wieder abgeben. Kurz vor Weihnachten können die Kinder ihre Geschenke abholen. Das Ziel der Aktion ist einerseits, dass Kinder aus ärmeren Familien einen Weihnachtswunsch erfüllt bekommen, andererseits aber auch die Sensibilisierung der Reutlinger Bürger für die Situation von Familien mit geringem Einkommen vor Ort.

Als man an die Loge Achalm mit der Bitte herantrat, einen Geldbetrag, der für die Verwaltung dieser Aktion erforderlich sei, zu spenden, wurde schnell gehandelt. Die zuständigen Brüder des Wohltätigkeitsausschusses formulierten einen Vorschlag, dass dieses Projekt unterstützt werden solle – jedoch nicht allein durch Geldzuwendungen, sondern auch durch aktive Mitarbeit. Der Wohltätigkeitsausschuss übernahm die Planung und Organisation für die Loge. Es kam einiges an Arbeit auf die Brüder zu:

·         Da in der Kirche in der Stadtmitte keine Lagermöglichkeit bestand, wurden über einen Zeitraum von 4 Wochen die Geschenke täglich von der zentralen Citykirche in einen Lagerraum am Rande der Stadt transportiert.

·        Listen wurden verwaltet, um die Wünsche einerseits, die abgegebenen Geschenke andererseits als auch die transportierten Geschenke zu erfassen. Es musste ja von Anfang an sichergestellt sein, dass am Ende jedes Kind das richtige Geschenk bekommt.

·         Geschenke wurden – falls erforderlich – noch schön weihnachtlich eingepackt. Für die Kinder, deren Wünsche nicht erfüllt wurden, sprang die Loge mit einem Geschenkgutschein ein.

888 Wünsche wurden abgegeben. Notiert wurden sie von 469 Jungen und 419 Mädchen. Fast eben so viele Geschenke wurden abgegeben und (zwischen-) gelagert. Am 16.12.2009 war es dann soweit: Alle Geschenke wurden von der Loge Achalm zurück in die Kirche in der Stadtmitte transportiert und  - soweit dies bei dieser gewaltigen Anzahl möglich war – nach Nummern 001 – 888 sortiert.

Die Verteilung der Geschenke an die Kinder erfolgte dann vom 17. – 19. Dezember, wiederum durchgeführt von Brüdern der Loge. An drei Tagen von 10:00 – 18:00 Uhr nahmen die Kinder freudestrahlend ihre Geschenke entgegen. Die Brüder erkannten schnell, dass sich ihre Arbeit und der Einsatz gelohnt hatten, wenn sie die dankbaren Augen der Kinder und der Eltern sahen.

„Alle Brüder beteiligen sich an dem Projekt um Gutes zu vollbringen und unmittelbar zu helfen, soweit es Ihnen zeitlich und körperlich möglich ist“; dies war der Leitgedanke bei dieser Aktion. Stolz war Edelerz Bruder Bernd Niedermayer, als er sah, mit welcher Begeisterung die Loge das Projekt unterstützte und darüber hinaus wie groß die Solidarität unter den Gebenden war: „Was uns am meisten beeindruckt, ist, dass Bürger etwas für Bürger tun“.

Bruder Wolfgang Triebs, der die Organisation übernommen hatte, sprach aus was viele dachten: „Viele Eltern und Kinder hatten sich kein Spielzeug gewünscht, sondern Kleidung, warme Schuhe oder ein Kinderbett. Das verdeutliche einmal mehr, dass die Not unter den Benachteiligten dieser Gesellschaft groß ist“.

Die hohe Anzahl der Wünsche und Geschenke weist uns alle auf die Bedürftigkeit in unserer Nachbarschaft hin. Wir als Loge konnten als Gemeinschaft helfen. Mit Sicherheit werden wir in 2010 wieder mitarbeiten, wenn es darum geht, Kindern eine Freude zu bereiten.

 

Bruder Erich Arnold; Loge Achalm Reutlingen  -  Januar 2010.