Am 4. Oktober 1901 fanden sich zwölf Brüder im alten Rathaus der Stadt Schöneberg (Schöneberg gehört erst seit 1920 zu Berlin und besaß seit 1898 Stadtrecht) am Kaiser-Wilhelm-Platz 3 zusammen und gründeten, 25 Jahre nach Installation des Deutschen Druiden-Ordens, die ODIN-Loge.

Der Name ODIN wurde der germanischen Götterlehre entlehnt. An einen Missbrauch des germanischen Erbes durch die braunen Machthaber war noch nicht zu denken.

Von den Gründungsmitgliedern unserer Loge verdienen die Brüder Prössel, Lindemann, Horst, Stahl, Thorwarth und Heinz besondere Erwähnung, da durch ihre Aktivitäten viele neue Kandidaten gewonnen werden konnten und die Mitgliederzahl schnell anstieg.

Durch die Aufnahme des verdienstvollen Bruders Bismark im Jahre 1903 gewann die ODIN-Loge eine eifrigen Förderer und erfahrenen Berater in den Logen- und Ordensbestrebungen. Auch die Großlogen-Bevollmächtigten, die Brüder Schüler und Raube, die durch stetige Mitarbeit das Wachsdtum und Wohl unserer Loge gefördert haben, müssen an dieser Stelle erwähnt werden.

Durch die Aktivitäten dieser Brüder wuchs die Mitgliederzahl der ODIN-Loge bis zum Jahre 1923 auf 97 Brüder. Im Jahre 1935 waren in der ODIN-Loge 117 Brüder vereint.

Unsere ODIN-Loge tagte wöchentlich, wie die Loge „Zur Goldenen Sichel“ und drei weitere Logen anderer Ordensgemeinschaften im alten Rathaus zu Schöneberg, später Berlin-Schöneberg, jeweils Donnerstags ab 20:00 Uhr.

Zwei Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten musste die druidische Arbeit der Logen, und damit auch der ODIN-Loge, zwangsweise eingestellt werden. Im Mai 1935 wurde die Selbstauflösung des Deutschen Druiden-Ordens beschlossen um der zwangsweisen Auflösung zu entgehen.

Knapp 19 Jahre danach, am 24. Februar 1954 erlebte die ODIN-Loge ihre Wiedergeburt.

17 Brüder der in Berlin(Ost) beheimateten und inzwischen durch die DDR-Administration verbotenen Columbus-Loge, sowie 35 Brüder anderer berliner Logen fanden sich zu einer feierlichen Sitzung zusammen, um die Wiederaufnahme der druidischen Ordensarbeit der ODIN-Loge zu beschließen.

Erster Vorsitzender der wiedergegründeten ODIN-Loge war der Bruder Wilhelm Klose. Ihm überreichte Bruder Wellert, der schon der alten ODIN-Loge angehört hatte, zwei über die Fährnisse der vorangegangenen 19 Jahre bewahrte Ritualgegenstände der alten ODIN-Loge.

Von den Brüder, die unsere Loge wieder gegründet hatten, verstarb als letzter der von uns allen geschätzte Bruder Helmut Krella im Februar 2008.

In den Folgejahren veränderte sich die Mitgliederstärke in Form einer Wellenbewegung, leider jedoch mit dem allgemeinen Trend nach unten. Aus- und Übertritte, die teilweise berufsbedingt waren, sowie Todesfälle konnten nicht im gleichen Maße ersetzt werden.

Als wir im Jahre 1991 unser 90. Logenjubiläum begingen zählten wir noch 22 Brüder.

Obwohl wir weitere Verluste hinnehmen mussten wird die Logenarbeit von den verbliebenen Brüdern mit Hingabe betrieben.

…wird fortgesetzt…