Geschichte unserer Loge


                                      90 Jahre Loge Nordmark

Wer sich mit den vergangen 90 Jahren der Loge Nordmark beschäftigt, muss auch ihr Entstehen aus der Loge Nordstern betrachten. Diese wurde durch die Initiative durch zwei   Brüder der Loge Holstentreue in Kiel, im August 1899, nur drei Jahre nach der Entstehung der Loge Holstentreue  gegründet. 

Mit Unterstützung des Hoch Edel Großerzes Heinrich Fricke von der Großloge Hansa wurden Herren zu einem Druiden Stammtisch eingeladen. Von den Erschienenen erklärten am gleichen Abend 33 Herren mit ihrer Unterschrift ihre Bereitschaft dem deutschen Druiden Orden beizutreten. Schon eine Woche später erfolgte die Gründung der Loge Nordstern in Flensburg. Unkompliziert und Unproblematisch erfolgte die Gründung der Loge und die daraus resultierende Aufnahme der neuen Brüder. 

Die Herren aus dem Bürgertum kannten keine 35 Std. Woche. 30 Tage Urlaub waren damals unvorstellbar. Leseklubs, Vereine und andere Vereinigungen wurden zahlreich gegründet oder waren schon vorhanden. Bälle und Tanzveranstaltungen wurden zahlreich über das ganze Jahr durchgeführt. Die Menschen in der Epoche des Jugendstils  pflegten die Kunst. Sie  konnten eine halbe Stunde ein Kunstgemälde betrachten und die Eindrücke oder Ausdrücke erklären. Die Romantiker, genauso wie die Klassiker standen in jedem Bücherregal. Bücher des bürgerlichen  Realismus und Impressionismus, wie von Arthur Schnitzler oder Ibsen wurden in der Wilhelminischen Zeit heimlich gelesen.

So hören  wir von Goethe: „ Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Nun hat endlich die Tugend ihr Reich gegründet und zum Schutz und Trutz sich geheim verbündet.“

 Es geht ein Sehnen und  Ringen durch die Menschheit von ihren Anfängen an, ein Ringen  und Streben nach Entwicklung, nach Vervollkommnung.

Kurz gesagt, der Zweck des Druidenordens ist die Mitarbeit an der Erziehung des Menschen, sein Ziel die Veredelung des Menschentums. Dieser Grundgedanke wurde von vielen Herren  angenommen und der Nordstern wuchs und gedeihet.  Auch der erste Weltkrieg stellte keine große Störung für die Loge Nordstern dar, so dass bei einer  Mitgliederzahl  von  über 100 Brüdern die Teilung der Loge vorgenommen  wurde. Am 5. Mai 1919, nur 1 Jahr nach dem ersten Weltkrieg, war es soweit, die Loge Nordmark, unser Geburtstagkind wurde gegründet. Unter Führung der rührigen Brüder Hermann Höft, dem ersten Edel Erz, und Heinrich Bangert wurde schließlich mit 17 Brüdern die Loge installiert. Trotz der schlechten Zeit wurde in der Gaststätte „Zum schwarzen Walfisch“ mit vielen Brüdern aus den Nachbarlogen und Gästen gefeiert. Aus den Protokollen konnten wir entnehmen, dass das Fleisch in kleinen Mengen rationiert gereicht wurde. Die fehlenden Kalorien wurden am Abend mit viel Bier und Grog ausgeglichen.

Im gleichen Jahr wurde das Haus im Südergraben 39 für stolze 100 000 Mark vom Verein Druidenheim erworben. Neben den Logenräumen befand sich im Erdgeschoß die Gaststätte Hohenzollern und die Manufaktur Mehlitz & Cobernuss.  Später wurden ein Damenzimmer und eine Bücherei eingerichtet, die auch als Kanditatenzimmer genutzt wurde. Trotz einiger Störungen im Anfangsjahr ging es mit der Loge Nordmark schnell bergauf. Im 2. Jahr gehörten ihr schon 49 Brüder an, im 3. 67, im 4. 73 und im 5. Jahr 92 Brüder.

Durch die freien regelmäßigen Zusammenkünfte am Mittwoch und am Sonntagnachmittag hatte sich ein lebhafter und inniger Familientreff  herausgebildet. Daraus entwickelten sich große Logenbälle, alleine 5 in den Wintermonaten, die zum Anziehungspunkt der Bürger der Stadt Flensburg  wurden.

Die eingesegneten Kinder der Logen Nordmark und Nordstern waren zum größten Teil  in der Jugendvereinigung  „Jung-Ordenswacht“ zusammengeschlossen und wurden von geeigneten Brüdern betreut. Die Jugendlichen   der „Jung-Ordenswacht“ trafen sich regelmäßig zu Vorträgen, zu Leseabenden, zu Musik und Tanzveranstaltungen. Es wurden Wanderungen und Ferienaufenthalte in sogenannten Ferienkolonien organisiert.

Neben einer Sterbekasse wurde auch eine Kasse um in Not geratene Brüder zu helfen, ins Leben gerufen. Diese Absicherung, die bedingt durch diese große Bruderzahl  funktionieren konnte, hat natürlich auch die Attraktivität der Druiden Logen erhöht.

1924 wurden in der Loge Nordstern 144 Brüder und in unser Loge Nordmark 74 Brüder gezählt. Es war  zweckmäßig zwei neue Logen zu gründen. Zu Ehren von Bruder Herman Höft die Loge „Bruder Hermann“ und die „Nordische Treue.“ 4 Logen hatten nun ihr Heim im Südergraben 39.

Die Inflationszeit und die Weltwirtschaftkrise mit dem zunehmenden Nationalsozialismus konnten den Flensburger Logen nichts an haben. Die Bruderzahl konnte durch besondere Bemühungen einzelner Brüder konstant gehalten werden. Der damalige Bruder Groß Schriftführer führte genaue Statistiken. Dazu gehörte auch die Anwesenheitsliste der Brüder in den Logen. Mit 46 % der Brüder, die ständig die Loge besuchten, hatte die Nordmark in der Großloge Schleswig Holstein über Jahre eine Spitzenstellung eingenommen. 1930 zählte die Groß Loge S.H. über 900 Brüder.

1933 änderte sich die politische Welt in Deutschland. Die Nazis übernahmen die Macht und die Bevölkerung marschierte mit in einer großen euphorischen Begeisterung, man kann sogar sagen mit einer revolutionären Begeisterung hinter ihrem Führer hinterher. Weltbürgertum, Freigeist und Logenbrüder brauchte niemand mehr und für die Nazis mit ihrer faschistischen Ideologie waren sie auch ein Dorn im Auge. Am 01.10.34 waren die Loge Nordische Treue und Bruder Hermann bereitsaufgelöst, in der Nordstern Loge waren nur noch 79 und in der Nordmark Loge 35 Brüder, und das von ehemals 243 Brüdern. Im Mai 1933 erfolgte die Umstellung des DDO in die „Deutsch Völkische Bruderschaft“. Aber das sich arrangieren wollen änderte nichts an der Tatsache, dass der DDO letztendlich 1935 aufgelöst wurde. Die letzte legale Sitzung der Loge Nordmark im liebgewordenen Heim, an der 24 Brüder teilnahmen, wurde eröffnet mit dem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“. Br. Witte sprach mit zu Herzen gehenden Worten: „Zur Nacht ist Sturm gegangen“  über das Schicksal unseres Bundes und Hains. Er schloss seine Ausführungen mit der Mahnung, zu den druidischen Lehren halten „solange die Sonne scheine“. Die Sitzung klang nach einer letzten Bruderkette aus mit dem Lied:

Ich hab, ich habe Herzen,

so treu wie sich gebührt,

die Heuchelei und Scherzen

nie wissentlich berührt.

Ich bin auch ihnen wieder

von Grund der Seele hold,

ich lieb euch mehr ihr Brüder,

als alles Erdengold.

Nach der formellen Auflösung wurden heimliche Treffen privat und zum Teil im Restaurant „Zur Börse“ abgehalten. Der  Gestapo blieben diese Treffen nicht verborgen. So kam es zu gelegentlichen Vorladungen in der Gestapo Dienststelle Norderhofenden, wo heute die Kripo sitzt.

Das Erfolgsmodell Nazideutschland entwickelte sich prächtig. 70-80% der Bevölkerung standen treu hinter ihrem Führer. Auch das Ausland war zum Teil begeistert.  Auswanderer kehrten zurück und die Olympiade 1936 in Deutschland begeisterte die Welt.  Aber nicht nur das sogenannte gemeine Volk stand stramm hinter Hitler, auch die Akademiker waren im „Land der Dichter und Denker“ von der Hitler Ideologie schwer begeistert. Von den 4000 führenden Männern des dritten Reiches gab es 1050 Doktoren, 150 Diplominhaber, 330 Professoren, 41 Doppeltdoktoren, 225 Ehrendoktoren, 116 Geheime Räte und 2  Nobelpreisträge.  Insgesamt weisen 70% eine höhere Schulbildung auf, etwa 850 von ihnen haben sich schriftstellerisch betätigt. Das sind Zahlen von denen die heutigen Parteien nur träumen können.

„Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,

erzeugt im Gehirn des Toren.“ So Schiller.

Dieser Wahn versank im Sumpf des Faschismus. 55 Millionen Tote. Die schlimmste Zahl in der Weltgeschichte. Des Menschen größter Feind ist der Mensch, wie der Volksmund sagt,  wurde wieder einmal  bestätigt. Die Familien in Flensburg  hatten Tote zu beklagen, kein Geld, keine Arbeit und  Heimatlose mussten untergebracht werden. Hoffnungslosigkeit und Resignation wurden tägliche Begleiter. Unsere Brüder hatten die Werte und Grundsätze der Druiden in sich weiter getragen und schon am 22. Mai. 1945 wurde die erste Sitzung nach 10 Jahren im Restaurant „ Zur Börse“ abgehalten. Nach einem Hin und Her mit der britischen Militär Regierung wurde dann schließlich die erste offizielle Sitzung der Nordmark am 15. Sep. 1947 abgehalten. Br. Chr. Henningsen eröffnete die Sitzung mit den Worten: „Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“

Es folgten keine leichten Jahre.  Das Logenhaus im Südergraben konnte nicht mehr erworben werden. Bis 1952 wurde in der „Börse“ und in dem Logenhaus der Guttempler Sitzungen abgehalten. Von 1952 bis 1961 tagten die Brüder in der Gaststätte  „Bellevue“, direkt neben dem heutigen Logenhaus. Heute steht dort ein Teil des alten Gymnasiums. In den Jahren 1960 bis 61 wurde mit viel Eigenleistung und Schweiß neue Logenräume in der Hinter räumen   der IHK Flensburg  geschaffen.  Am 21.10.1961 konnte unter der Führung des EE Willi Wilcke das schmucke und gemütliche Heim  in der Heinrich Str. eingeweiht werden.

 Die Loge Nordmark entwickelte sich bis in die 70 er Jahre zur größten Druidenloge Deutschlands. Durch die internationalen Welttreffen  der IGLD wurden Kontakte zu Br.  in den USA, Australien, England, Schweden, Norwegen und Dänemark geschaffen. 1982 kündigte uns die IHK die Logenräume und die Brüder waren gezwungen neue Räumlichkeiten zu suchen. Die Lösung war der Einzug in das Freimauerhaus hier am Nordergraben.  In einem im neoklassischen Stil errichteten und wohl schönsten Flensburger Haus tagen wir einmal wöchentlich am Montag und die 3 Freimaurer Logen an anderen Tagen. Neben einem großzügigen Raumangebot für die rituellen Sitzungen haben wir auch, wie wir gleich erleben werden, einen hervorragenden Rahmen für gesellschaftliche Veranstaltungen. Am Donnerstagnachmittag treffen sich regelmäßig unsere Schwestern zu einem Gedankenaustausch im Logenhaus. Die berufstätigen Schwestern treffen sich einmal im Monat abends.

Im Jahr 1994 wurde  das 75. Stiftungsfest zusammen mit einer IGLD Sitzung gefeiert. Es konnte mit einer großen Teilnahme von Schwestern und Brüdern aus den In- und Ausland im Hotel des Nordens gefeiert werden.

Steigende Mietnebenkosten, Sanierungskosten und der Verdacht auf Schwamm hier im Logenhaus forderte die Änderung des bestehenden Mietvertrages mit der großen Landeslogeder Freimaurer  in Berlin. In vielen Verhandlungsstunden haben die Vorsitzenden und die berufene Brüder der Logen ein neues Konzept erarbeitet und nach 2. Jahren kam es am 18. Dezember 2008 zum Abschluss. Der neue Mietvertrag gibt uns die Sicherheit, dass wir uns finanziell nicht übernehmen und unsere Sitzungen mit Freude abhalten können. Unsere Loge Nordmark feierte im Mai 2009  ihren  90 Geburtstag. Für die einen eine alte Dame, die in die Jahre gekommen ist  und für die anderen ist unsere Loge Nordmark für die Zukunft gut aufgestellt.  

In einer Zeit, wo sich Menschen über Orientierungslosigkeit  beklagen, müssen Wege aufgezeigt werden. In einer Zeit, wo Menschen erkennen, dass  die Fernseh- und Internet -  Kultur keinen Lebensinn beinhalten, muss man den Menschen den Zweck des Druidenordens, die Veredelung des Menschentums ans Herz legen. In einer Zeit, wo immer mehr Menschen vereinsamen, wirkt der Grundsatz: Pflege die geselligen und sozialen Tugenden, so wirst du von vielen Menschen geachtet werden, “wie Medizin. Unser Ritual mit dem Ideal Vortrag schafft Freiräume, Sicherheit und Regeneration von dem täglichen Lebenslauf. Unser Idealvortrag, der nicht  diskutiert oder kritisiert  wird, sondern zur Kenntnis genommen wird, schafft die Möglichkeit angstfrei als Vortragender Erfahrungen zu machen

 Und ganz zum Schluss: „Ein letztes Geheimnis unser Loge geben wir nicht preis! Das sollte man uns auch lassen! Das muss man erleben!

 

Flensburg im Mai 2009

Gerd Hanke, Vorsitzender