9. Förderpreisvergabe 2014 in Bremerhaven

Für die Vergabe des Förderpreises 2014 hat die Walhalla-Loge Bremerhaven das Projekt „HIGHSEA“ des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven vorgeschlagen. Dabei haben wir uns von den im folgenden beschriebenen Inhalten sowie dem nachweislichen Erfolg des Projektes leiten lassen, der in hervorragender Weise mit den satzungsgemäßen Zielen des Fördervereins korrespondiert:

Was ist HIGHSEA?

Von Forschern das Forschen lernen. Während der letzten drei Jahre ihrer Schulzeit verlassen HIGHSEA-Schüler an zwei Tagen pro Woche ihre Schule. Stattdessen lernen und forschen sie am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Alles das, was sie für die Zentralabiturprüfungen in den Fächern Biologie (Leistungskurs), Chemie, Mathematik und Englisch (Grundkurse) benötigen, erarbeiten sie sich im fächerübergreifenden projektorientierten Unterricht. Im Team-teaching arbeiten Lehrer und Wissenschaftler dabei eng zusammen — immer wieder stehen den Schülern mehrere Personen im Unterricht gleichzeitig als Ansprechpartner zur Verfügung — ohne Unterbrechungen durch einen festen Stundenplan oder einen Gong.

Einmal während ihrer Zeit im AWI organisieren die Schüler eine Forschungsreise – jeder HIGHSEA-Jahrgang geht also auf Expedition. Im Mittelpunkt der Fahrt steht jeweils eine Forschungsfrage, die von den aktiven Wissenschaftlern im AWI an die Schüler vergeben wird. Auch für die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung dieser Forschungsreise stehen die Schüler in engem Kontakt mit Wissenschaftlern. Lehrer und Wissenschaftler begleiten die Fahrten gemeinsam. So ist die direkte Verknüpfung der Arbeiten mit laufenden wissenschaftlichen Arbeiten gewährleistet. Lehrer stellen sicher, dass die Schüler mit den Voraussetzungen zur Bearbeitung der wissenschaftlichen Fragestellungen nicht überfordert werden.

Die ehemaligen und aktiven Schüler bilden ein lebendiges HIGHSEA-Netzwerk. Ehemalige haben den Förderverein SEA Networks e. V. gegründet. Damit wollen sie die aktiven Schüler besonders bei der Organisation und Finanzierung ihrer Forschungsfahrt unterstützen. Alljährliche Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr bringen die Ehemaligen und die aktiven Schüler regelmäßig zusammen. Die Treffen dienen besonders zur gegenseitigen Beratung für die Studien- und Berufswahl und fördern die Zusammenarbeit über Jahrgangsgrenzen hinweg. Ehemalige engagieren sich bereitwillig für die aktiven Schüler. Es gibt inzwischen Studenten-Wohngemeinschaften von Ehemaligen in Kiel und auch in Berlin.

Wie ist HIGHSEA organisiert?

Die Leitung der Kooperation HIGHSEA besteht aus einer Lehrerin des Schulamtes und einer Wissenschaftlerin des AWI. In dieser Schnittstelle liegen alle Aufgaben der Organisation, Gestaltung und Steuerung des Kooperationsprogrammes HIGHSEA.

In der Schule ist der Stundenplan für die Schüler so organisiert, dass sie die Fächer Biologie, Chemie, Mathematik und Englisch ausschließlich dienstags und donnerstags bearbeiten. Darüber hinaus haben sie an diesen Tagen keine anderen Unterrichtsverpflichtungen in der Schule. So entstehen zwei Tage pro Woche, welche die Schüler vollständig am AWI verbringen können. Für diese Tage gibt es keinen festen Stundenplan. Vielmehr richtet sich die Aufteilung der Fächer nach dem Fortgang der Arbeit an vier zentralen Fragestellungen.

Langfristig wird darauf geachtet, dass die Fächer mit ihrem korrekten Stundenanteil bearbeitet werden. Ein Team aus acht bis zehn Lehrkräften arbeitet dauerhaft zusammen und trifft sich einmal wöchentlich. Während dieser Treffen wird der Stundenplan für die kommende Woche je nach Fortgang an der Bearbeitung der großen Fragestellung festgelegt. Auch die Bedürfnisse oder Besonderheiten einzelner Schüler werden besprochen — wenn nötig, werden gezielte persönliche Förderangebote entwickelt.

Als Forschungsinstitut hat das AWI keinen Gong – der Arbeitsrhythmus richtet sich nach der Aufgabenstellung und nicht nach der Uhr. Pausen werden in Absprache zwischen allen Beteiligten eingelegt, wenn sie gebraucht werden. Ein Team aus Lehrkräften und Wissenschaftlern hat die gesamten Inhalte der vier Fächer, die während der letzten drei Schuljahre bearbeitet werden sollen, aus ihrem üblichen Zusammenhang gelöst und zeitlich neu angeordnet.

Dadurch wurde die sehr weitgehende Auflösung der Fächergrenzen möglich. Stattdessen orientiert sich die Arbeit der Schüler an vier großen Fragestellungen, die an die Forschungstätigkeit des AWI angelehnt sind. Eine besonders intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Schülern entsteht für jeden Jahrgang im zweiten Jahr der HIGHSEA-Zeit: Für den Projektkurs ist die Lerngruppe aufgelöst in Kleingruppen (3-4 Schüler), die intensiv mit einem Wissenschaftler in dessen Fachgebiet an unterschiedlichen Fragestellungen zusammen arbeiten. Nur noch ca. alle drei Wochen treffen sich alle Kleingruppen, um den Fortgang ihrer Arbeiten, ihre Probleme und ihre nächsten Schritte gemeinsam im Plenum zu besprechen. Ein Teil der Inhalte der Klausuren entstammt den Themen, die während der Plenumssitzungen besprochen werden.

Was ist einzigartig an HIGHSEA?

HIGHSEA bietet sowohl Lehrern als auch Schülern ein Unterrichtsklima, das sich deutlich vom Lernen in den Schulen unterscheidet. Eine Vielzahl von scheinbar kleinen Faktoren verändert Grundvoraussetzungen der Schule so weit, dass sich neue Möglichkeiten öffnen. Der enge Kontakt zu Wissenschaftlern vermittelt die unmittelbare Notwendigkeit und Anwendbarkeit von Lern-Inhalten. Der fehlende Gong und die gemeinsam verabredeten Pausen ermöglichen längere ununterbrochene Arbeitsphasen. Das Auswahlverfahren zwingt sowohl die Schüler als auch die Lehrer zu einem entschlossenen Bekenntnis: „Ich will hier mitmachen.“

HIGHSEA wirkt! Die externe Evaluation durch die Universität Duisburg-Essen hat ergeben, dass die Motivation bei HIGHSEA-Schülern während der letzten drei Schuljahre steigt, in der Schule dagegen sinkt sie. Deutlich mehr Schüler eines Jahrgangs nehmen ein Studium auf.  Der Anteil der Studierenden in natur­wissen­schaftlichen Fächern ist doppelt so hoch, wie im Bundesdurchschnitt. HIGHSEA-Studierende brechen ihr Studium nicht ab!

Nicht alle sind nach Ablauf der drei Jahre HIGHSEA so begeistert von den Naturwissenschaften, wie sie zunächst theoretisch angenommen hatten. Der intensive Einblick in die Tätigkeit eines Naturwissenschaftlers zeigt manchem Schüler, dass er sich falsche Vorstellungen von einem Leben als Naturwissenschaftler gemacht hatte. Diese Ehemaligen nehmen dann folgerichtig einen Studiengang auf, der nicht ins Feld der Naturwissenschaften führt. Aber auch denjenigen, die nach drei Jahren im AWI den Bereich von Naturwissenschaften und Technik verlassen, steht für ihren weiteren Lebensweg ein großes Repertoire von Werkzeugen und Entscheidungshilfen zur Verfügung, das sie zu mündigen Bürgern macht. Sie haben schon vor dem Abitur Mittel und Wege kennengelernt, sich in neue Themenfelder selbstständig einzuarbeiten, sie können zielgerichtet Fragen stellen und die Antworten vor dem Hintergrund umfassender Fähigkeiten und Kenntnisse beurteilen und einordnen.

Wie wird HIGHSEA finanziert?

HIGHSEA wird gemeinsam durch das AWI und den Magistrat der Seestadt Bremerhaven finanziert. Das AWI trägt die Sachmittel, stellt alle Räumlichkeiten und Ausstattung für die Programm­leitung sowie eine Assistenzstelle zur Verfügung. Auch die Stelle der AWI-seitigen Programmleitung wird aus Mitteln des AWI finanziert. Der Magistrat finanziert eine Programmleitung und die im Programm unterrichtenden Lehrkräfte. In der Anlauf­phase wurde HIGHSEA aus dem "Impuls- und Vernetzungsfond der Helmholtz-Gemeinschaft" unterstützt.

Die Schüler-Expeditionen können nur stattfinden, wenn es den Schülern, der Programmleitung und dem Team der Lehrkräfte gelingt, genügend Spenden einzuwerben. Seit 2011 leistet der von ehemaligen HIGHSEA-Schülerinnen gegründeten Förderverein SEA-Networks e. V. bei dieser Arbeit wertvolle Unterstützung.

HIGHSEA-Expedition — eine ganz normale Klassenfahrt?

Jeder Jahrgang geht einmal während der Zeit im AWI auf Expedition. Die Jugendlichen arbeiten während der Fahrt an einer wissenschaftlichen Fragestellung, die sich aus aktuell laufenden Arbeiten einer Forschungsgruppe des AWI ergibt. Das Ziel der Forschungsfahrt ergibt sich daher weniger aus den Wünschen der Jugendlichen, sondern vielmehr aus der Fragestellung. Die Reisezeit muss zwar einerseits in die Abläufe in der Schule passen. Andererseits können manche Fragestellungen nur zu bestimmten Zeiten bearbeitet werden.

Soll zum Beispiel die Meereisbildung in den Gewässern um Spitzbergen untersucht werden, so ist eine Reisezeit im späten Herbst vorgegeben. Dabei kann es durchaus passieren, dass ein Teil der Ferienzeit für die Expedition genutzt wird. Trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten konnten bisher neun Forschungsfahrten für Schülerinnen erfolgreich durchgeführt werden.

Zweimal wurden an Seebergen — untermeerischen Gebirgen — im Ostatlantik ozeanografische Daten erhoben, um zu erfahren, ob ein bestimmtes Strömungssystem auch in den Wintermonaten ausgebildet wird. Zweimal war eine Gruppe in den Gewässern um Spitzbergen unterwegs: beim ersten Mal wurde dabei nach einer für den Winter bekannten Wassermasse schon im frühen Herbst gesucht, einmal hat die Gruppe die Chemie der Meereisbildung im späten Herbst untersucht. Zwei Expeditionen führten nach Island – einmal auf der Spur der nachhaltigen Fischerei, einmal auf der Suche nach Plastikpartikeln im Sand der isländischen Strände. Und zweimal ging es auch in die Ostsee: die erneute Suche nach Plastikpartikeln hatte die schwedische Südküste zum Ziel und die speziellen ozeanografischen Verhältnisse der Ostsee wurden in den Gewässern um Dänemark erforscht. Eine ganz besondere Expedition führte die Gruppe nach Grönland, wo die Teilnehmer die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben auf und um Grönland beleuchtet haben. All diese Fahrten können nur stattfinden, wenn sich die Jugendlichen in einem Maß engagieren, das weit über das in der Schule übliche hinausgeht.

Die Finanzierung der HIGHSEA-Expedition für Schülerinnen ist in jedem Jahr ein neuer Balanceakt. Einerseits fallen besonders bei Fahrten in die Arktis hohe Kosten allein schon für die Flüge an. Andererseits will man unbedingt sicherstellen, dass kein Schüler aus finanziellen Gründen von der Expedition ausgeschlossen wird. In allen vorangegangenen Jahren ist das auch stets gelungen. Zusätzlich entsteht die Schwierigkeit, dass die nötigen finanziellen Mittel buchstäblich erst in „letzter Minute“ zusammen kommen und daher lange gewartet werden muss, bevor feste Buchungen abgeschlossen werden können.

Die Vorbereitung der diesjährigen Expedition wird federführend von den Schülern des Jahrgangs HIGHSEA XI durchgeführt.  Bei diesen Aufgaben werden sie von einem Team aus Wissenschaftlern und Lehrern tatkräftig unterstützt. Zurzeit planen die Jugendlichen, im Sommer 2014 auf den „Äußeren Hebriden“ Strände auf Plastikpartikel zu beproben. Unter der Fragestellung „Müllkippe Meer — wie gefährdet unser Plastikmüll das Leben im Ozean?“ könnte der Jahrgang in die Fußstapfen der beiden Vorgängerjahrgänge treten. In den beiden Vorjahren wurden Strände auf Island und in Südschweden beprobt. Diese schon vorhandenen Proben könnten durch Proben von Stränden in Westschottland ergänzt werden. Auf der Grundlage dieser Fragestellung entwickeln die Jugendlichen zurzeit einen Reiseplan und erstellen eine Kostenabschätzung.

Auch die Aktivitäten der Schülerinnen zum Einwerben der Spenden sind angelaufen. Sie backen seit einigen Wochen in ihrer Freizeit Waffeln im AWI — die Mitarbeiterinnen freuen sich sehr über diese Ergänzung zum Angebot der Cafeteria. Die Jugendlichen haben selbstständig einen Flyer erstellt, mit dem sie ihre Unterstützung bei einer Vielzahl von Arbeiten in Haus und Garten sowie zur Unterstützung jüngerer Schülerinnen anbieten.


Der Vorstand des Fördervereins der Groß-Loge Niedersachsen des Deutschen Druiden-Ordens VAOD e.V. war sehr begeistert von dem hohen Maß an Engagement, welches die Jugendlichen für ihre Fahrt an den Tag legen.

Daher möchten wir sie gern unterstützen. Wir möchten mit der Zuerkennung des Förderpreises 2014 in Höhe von 3.000 Euro zur Finanzierung der kommenden Forschungsfahrt des Jahrgangs HIGHSEA XI beitragen. Voraussichtlich kann mit dem Förderpreis die Fahrt von zwei Schülern/innen vollständig finanziert werden, die damit unabhängig werden von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Damit könnte das AWI seinem wichtigen Ziel — alle können mitfahren, auch wenn es für die Familie zu teuer wäre — einen großen Schritt näher kommen.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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